Unser Kunstunterricht soll nicht nur zu einem gelungenen Ergebnis führen, sondern dazu anregen, genau hinzusehen, mit Materialien zu experimentieren und aus unerwarteten Ergebnissen neue Ideen zu entwickeln und so Kreativität als Prozess zu verstehen.
Dafür eignet sich die Monotypie besonders gut: Sie verbindet einen bewussten Gestaltungsprozess mit einem gewissen Maß an Zufall. Die Schülerinnen und Schüler müssen Entscheidungen über Farbe, Struktur und Komposition treffen, können das Ergebnis jedoch nie vollständig kontrollieren. Das Ziel besteht deshalb nicht im perfekten Abdruck, sondern darin, gestalterische Prozesse zu verstehen, Beobachtungen auszuwerten und den eigenen Entwurf Schritt für Schritt weiterzuentwickeln. Die Monotypie ist also ein Druckverfahren, bei dem am Ende nur ein einziger, nicht identisch wiederholbarer Abdruck entsteht.
Im Kunstunterricht der 10. Klasse wurde dieses Prinzip auf ungewöhnliche Alltagsmaterialien übertragen. Die Schülerinnen und Schüler färbten Luftpolsterfolie, Wellpappe, Obstnetze und weitere Fundstücke ein und druckten deren Oberflächen auf Papier. Sie variierten Farbmenge und Druckstärke, kombinierten unterschiedliche Strukturen und legten mehrere Abdrücke übereinander. Jeder Versuch brachte neue Formen und Wirkungen hervor – und wurde damit zum Ausgangspunkt für die nächste gestalterische Entscheidung. So entstanden Arbeiten, die nicht trotz, sondern gerade wegen ihrer Unvorhersehbarkeit echte Originale sind.
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