Mit dem Kopf in den Wolken… und dem Herz in den Sternen.
Bschlabs, Österreich, hörbar ein Fleck irgendwo im Nirgendwo, an dem sich ganz weit oben unsere Unterkunft befand. Unsere Klasse, inklusive Frau Gürtler und unserem Klassenlehrer Herr Lindner als Begleitpersonen, verbrachte gemeinsam fünf aktive Tage in einer Selbstversorgerhütte im Lechtal.
Eigenständiges Handeln hatte sich hier als ausgesprochen nützlich erwiesen. Gemeinsames Kochen, Karaoke und Küchendienst, im Hintergrund Wonderland von Taylor Swift. Unser durchgeplanter Essensplan lief folgend ab: Essen kochen, verbrennen, lüften. Als der Rauch in den Nachthimmel abzog, waren die Sterne so deutlich erkennbar wie noch nie. Oder war das der Schlafmangel? Unser lautes Lachen durchbrach die dünnen Wände zu unmöglichen Uhrzeiten. Spieleabende, Balkon-Gespräche bis drei Uhr morgens. Den Sonnenaufgang verschlafen, begann der nächste Morgen mit einem Frühstück um neun, Spezi hielt uns wach. Hin und wieder kam es zu Diskussionen um Duschzeiten, gestohlene Ladekabel, und mögliches Haarefärben. Dennoch waren Herr Lindner und Frau Gürtler positiv überrascht, wie harmonisch das Zusammenleben im Laufe Woche verlief, wie locker wir die Tage gestalten konnten, und wie toll alle mitgeholfen haben.
touching grass
Beim Planen unserer Klassenfahrt dachte ich zuerst an diverse Großstädte. Ich liebe Städte, da sie mir sekündlich einen neuen Impuls geben, währenddessen sie zusätzlich den Inbegriff von Lebendigkeit und Schnelligkeit beschreiben. Das mitreißende Gefühl inmitten der Menschenmassen zu treiben, um sich in bunte Geschäfte zu retten und in stimmungsvollen Cafés aufzuatmen.
Zurück in die Natur bot einen enormen Kontrast dazu. Die Berge begegnen Menschen, die allen Frust der Welt eingeatmet haben. Wir konnten unseren Alltagsstress über Hügel und Täler hinausschreien, unsere Sorgen sind mit uns über Rodelbahnen gedüst, durch die Flüsse hindurchgeflossen, zusammen mit Julius Adiletten. Schade für die Umwelt. Ohne Hektik war das Leben intensiver, die Gedanken klarer wahrnehmbar.
Wie städtisch wir geprägt sind, hat man bei unserer überschwänglichen Begeisterung über Bekanntschaft auf Wanderungen gemerkt. Gänse, Kühe und Glühwürmchen wurden zum Sightseeing- Highlight der Woche. Glühwürmchen sind in Deutschland aufgrund von Lebensraumverlust, Pestiziden, trockenen Sommern und massiver Lichtverschmutzung selten geworden. Deswegen hat es mich umso glücklicher gemacht, einige während der Nachtwanderung zu entdecken.
Schwimmen bis zum Sonnenbrand
Ein allgemeines Highlight war das Rafting und das Naturerlebnisbad. Miriams und Malins Henna-Künste, wilde Wasserakrobatik, Eis, Pommes und Almdudler, Fußballspielen auf der Wiese. Ich erinnere mich an ein Lob vom Bademeister: Solche Kinder habe er noch nie gesehen, keine Handys weit und breit! Leere Handy-Akkus, gleichzeitig tankten wir unseren eigenen Energiespeicher so richtig auf.
Mit zwei Lehrerkräften in Begleitung entstand auch in den Bergen ein Ort des Lernens. Unser Schulleiter hat folgendes gelernt: Eure Offenheit zu uns als Lehrkräften und eure große Toleranz zueinander; selbstgemachte Cannelloni; Talente von euch, die ich im Alltag so nie gesehen habe: riesiges Wissen zu Rapmusik und Sport, tiefgründige Worte für Dankeskarten, Kochkünste, Zockerfähigkeiten bei Mario Kart, Sprechen über zwischenmenschliche Beziehungen, Gesangskünste, und Genügsamkeit.
Ich selbst habe durch Frau Gürtler ein neues Konzept namens „Entspannung“ kennengelernt. Von weniger Menschen umgeben, rückt das Bewusstsein für die Gegenwart in den Vordergrund. Das Handy auf stumm, kein Aufklingen von Nachrichten. Das ferne Rauschen der Flüsse zu nahm zu, die heiße Mittagssonne blitzte zwischen meinen Fingerspitzen hindurch. Weit weg von Klausuren, Terminen und Verpflichtungen, wurde das aktive Abschalten zum Automatismus, die Zeit verging sorglos.
Abends beschwerten sich meine Füße über vergessene Wanderschuhe.
Lohnenswert war der Aufstieg trotzdem, denn trotz allem blieb eine Frage unbeantwortet: Warum erklimmen wir den Berg?
Damit die Welt dich sieht?
Oder damit du die Welt sehen kannst?
Vielleicht war es das Gefühl, das jeder Gipfel bot: Für einen Moment einen Teil unserer Welt in den Händen zu halten.
Amelie 10a


































