Zweiter Pädagogischer Tag: Classroom Management mit Haltung und Methode
Eine Lehrperson trifft pro Schulstunde rund 200 Entscheidungen – am PGM sind das etwa 1200 am Tag. Die allermeisten davon betreffen nicht Fachinhalte, sondern die Beziehung zu den Schülerinnen und Schülern: Wie reagiere ich auf eine Störung? Wie schaffe ich eine Atmosphäre, in der konzentriertes Arbeiten möglich ist? Wie stärke ich Kinder darin, Verantwortung für sich und die Gemeinschaft zu übernehmen?
Genau diese Fragen standen im Mittelpunkt unseres zweiten pädagogischen Tages – und zwar als Frage der Haltung ebenso wie des konkreten Handwerks: Was für eine Schule wollen wir sein – und was tun wir jeden Tag dafür?
Unser Anspruch ist eine Schule, die Lebensraum ist – ein Ort, an dem Kinder und Jugendliche ihr Potenzial entfalten können. Das gelingt dort, wo sie sich ernst genommen fühlen, wo Neugier Platz hat und wo gleichzeitig ein verlässlicher Rahmen Orientierung gibt. Denn gemeinsame Regeln und die Bereitschaft, sich auf etwas einzulassen, sind kein Widerspruch zu einem wertschätzenden Miteinander – sie sind die Voraussetzung.
Damit das gelingt, braucht es Lehrerinnen und Lehrer, die bereit sind, auch auf sich selbst zu schauen: Welche eigenen Muster und Überzeugungen prägen mein Handeln im Klassenzimmer? Denn erst wer die eigenen Reaktionen versteht, kann sie bewusst gestalten – und in entscheidenden Momenten anders handeln als aus reinem Reflex.
Unter der Leitung von Frau und Herrn Lindner hat das Kollegium an dieser Verbindung aus Haltung und Methode einen Tag lang intensiv gearbeitet: biografische Reflexion, um eigene Muster zu erkennen; bedürfnisorientierte Kommunikation als Werkzeug für schwierige Situationen; kollegiale Fallberatung, um voneinander zu lernen; und die gemeinsame Auseinandersetzung mit der Frage, wie wir Werte, Regeln und Routinen so gestalten, dass sie Orientierung geben und gleichzeitig Eigenverantwortung fördern. Dabei ging es auch ganz praktisch um den Umgang mit Unterrichtsstörungen – nicht als Disziplinierungsfrage, sondern als Gelegenheit, mit Schülerinnen und Schülern gemeinsam an einem Miteinander zu arbeiten, das konzentriertes Lernen und persönliches Wachstum ermöglicht.
Der pädagogische Tag war dabei kein Abschluss, sondern ein Auftakt: Die gewonnenen Perspektiven fließen nun in den Unterricht ein, werden erprobt, reflektiert und im Kollegium weiter ausgetauscht. Denn die Weiterentwicklung unserer pädagogischen Arbeit – in der Haltung wie im Handwerk – ist kein Projekt mit Enddatum, sondern ein fortlaufender Anspruch an uns selbst.





